Was Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften kennzeichnet
Was ist charakteristisch für geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung?
Die große Vielfalt geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen hat im weitesten Sinn die Erforschung geistiger, kultureller und sozialer Phänomene sowie ihrer zeitlich und räumlich bedingten Entwicklung und Ausprägung zum Ziel. Dem Untersuchungsgegenstand entsprechend berücksichtigen die Forschungen grundsätzlich die komplexen Erscheinungsformen und Wechselwirkungen menschlichen Denkens und Handelns. Für weite Teile der Forschung ist die Differenzierung historischer Zusammenhänge kennzeichnend. Bedingt durch das große Spektrum möglicher Forschungsgegenstände – von Grundzügen des menschlichen Verhaltens über gesellschaftliche, historische, sprachliche und mediale Phänomene bis hin zu erkenntnistheoretischen und ethischen Problemstellungen – ist für die Geistes- und Sozialwissenschaften eine große Vielfalt an Methoden kennzeichnend.
Spätestens seit der Jahrtausendwende haben empirisch orientierte Forschungsansätze, die auf die Untersuchung großer Datenmengen und Quellenbestände ausgerichtet sind, an Gewicht gewonnen, ohne dass andere, traditionellere Herangehensweisen dadurch vollständig abgelöst wurden. Eine Schlüsselrolle spielt der wachsende Einfluss digitaler Technologien, insbesondere die Verarbeitung digitaler Daten durch softwareunterstützte Methoden. Mit dieser Entwicklung ist eine Ausweitung des Methodenspektrums und teilweise eine Annäherung an andere Wissenschaftsbereiche festzustellen.
Zugleich ist aus verschiedenen – auch wissenschaftspolitischen – Gründen die Zusammenarbeit über Fächergrenzen hinweg eher zu einem Normalfall geworden, sodass es für die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung insgesamt als charakteristisch gelten kann, die eigenen Ergebnisse aus verschiedenen Perspektiven und im Dialog mit anderen Wissenschaftsbereichen zu reflektieren.
Welche Konsequenzen ergeben sich für die Qualitätssicherung?
Aufgrund der Methodenvielfalt der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsansätze und der großen Unterschiede in der Gestaltung und praktischen Umsetzung von Forschungsvorhaben bestehen entsprechend vielfältige Anforderungen für die Gewährleistung wissenschaftlicher Integrität und für eine zeitgemäße Qualitätssicherung. Diese findet auch unter Bezugnahme auf oder im Austausch mit anderen Wissenschaftsbereichen statt. Für empirisch ausgerichtete historische und sozialwissenschaftliche Forschungen muss eine systematische Methodenreflexion immer die Belastbarkeit und Aussagefähigkeit der Quellengrundlage einschließen. Unter den Bedingungen des digitalen Wandels führt insbesondere die wachsende Bedeutung von Forschungssoftware zu der Herausforderung, die Grundlagen einer „digitalen Quellenkritik“ zu erarbeiten.