Umgang mit Forschungssoftware – Fallbeispiele
Genannt werden hier aktuelle Vorgehensweisen und Best-Practice-Beispiele aus der Theoretischen Chemie und der Theoretischen Physik, die den Umgang mit Forschungssoftware, insbesondere in Hinblick auf die Ermöglichung des Zugangs zu den Forschungsergebnissen, beschreiben. Die Fallbeispiele betreffen sowohl die Softwarenutzung als auch deren Entwicklung.
Fall 1: Nutzer*innen von käuflich erworbener Software
Es wird ausschließlich kommerzielle Software benutzt, sowohl für die Simulationen als auch für die Analyse und Visualisierung der Daten. Die Nutzenden haben keinen Zugang zu Quellcodes. In ihren wissenschaftlichen Publikationen werden die Hersteller der Software, die Release-Daten und die Versionsnummern (inkl. Bug Patches) vollständig angegeben.
Fall 2: Nutzer*innen von Software, die von Kolleginnen und Kollegen überlassen wurde
Es wird Software benutzt, die von einer*einem Kolleg*in für ein bestimmtes Projekt zur Verfügung gestellt wurde. Es wurde nur ein ausführbares Programm zur Verfügung gestellt, kein Quellcode. In den Publikationen wird hinsichtlich der Software die Originalarbeit der*des Kolleg*in zitiert und ihr bzw. ihm im Acknowledgement für das Überlassen der Software gedankt.
Fall 3: Softwareentwickler*innen für ein kommerzielles Paket
Im Rahmen eines Kooperationsvertrags zwischen Softwarefirma und Universität entwickelt ein Arbeitskreis Simulationssoftware, die sowohl für die eigene Forschung benötigt wird als auch eine kommerzielle Verwertung ermöglicht. Im Mittelpunkt der Forschung steht die Entwicklung innovativer Methoden und Algorithmen. In Publikationen wird von der „developer’s version“ des Computerprogramms gesprochen. Zeitverzögert (z. B. nach einem Jahr) wird die neue Software im Rahmen einer offiziellen Release-Version des Softwarepakets über die Softwarefirma verfügbar gemacht.
Fall 4: Entwickler*innen, Nutzer*innen eigener Software
Es wird selbst geschriebene Software benutzt, sowohl für die numerischen Simulationen als auch für die Analyse und Visualisierung der Daten. Auf Nachfrage wird die Software Kolleg*innen zur Verfügung gestellt, unter Umständen nur als ausführbares Programm, d. h. ohne Quellcode. In den eigenen Publikationen werden die verwendeten Algorithmen und mathematischen Gleichungen umfassend diskutiert.
Fall 5: Entwickler*innen von Open-Source-Software
Eine Gruppe von Forschenden entwickelt und benutzt Software unter einer Open-Source-Lizenz, z. B. der GNU General Public License Version 3 (GPLv3). In den eigenen Publikationen werden die verwendeten Algorithmen und mathematischen Gleichungen umfassend diskutiert. Eine sich stetig weiterentwickelnde Software wird bei Verwendung für eine Publikation durch Archivierung des Source Code (z. B. über Zenodo) gesichert und die Versionsnummer angegeben.