Verantwortung der Leitung von Arbeitseinheiten in den Lebenswissenschaften

Die Planung von Projekten und das Verfassen von Publikationen sowie die Begutachtung und Bewertung von wissenschaftlichen Publikationen und Projekten nehmen einen großen Teil der wissenschaftlichen Tätigkeit ein. Der Leitung von Arbeitseinheiten kommt eine besondere Verantwortung zu, Wissenschaftler*innen bereits frühzeitig die hierfür notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen zu vermitteln bzw. zu ermöglichen. Die Leitung der Arbeitseinheit hat darüber hinaus zu gewährleisten, dass die eigenständigen Arbeitsbeiträge der Wissenschaftler*innen in frühen Karrierestufen sichtbar und gewürdigt werden. Hierbei sollte besonderes Augenmerk auf eine adäquate Balance zwischen gehaltvollen, umfassenden Publikationen und solchen, die für frühe Karrierephasen hinsichtlich Umfang und Komplexität realistisch sind, gelegt werden. Als Voraussetzung für die Erarbeitung valider Forschungsergebnisse bedarf es einer intensiven Begleitung der Versuchsdurchführung und Auswertung in Bezug auf Kontrollen, statistische Analysen und die Bildbearbeitung im Kontext der Ausbildungsphase. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang auch ein frühes Heranführen an ethische und rechtliche Fragestellungen. Hier kann die Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen hilfreich sein, um eine entsprechende Prozessbegleitung zu organisieren.

Wesentliche Aufgabe der Arbeitseinheit ist es, ein Klima zu schaffen, in dem sich ein offener Umgang mit Fehlern, Nichtwissen und eine selbstkritische Haltung entwickeln kann bzw. aufrecht erhalten bleibt. Hierzu gehört auch eine Sensibilisierung für mögliche Interessenkonflikte. Diese Kultur stellt eine zentrale Voraussetzung für die Vermeidung von wissenschaftlichem Fehlverhalten dar.

Eine Besonderheit in den Lebenswissenschaften stellt die Forschung von klinisch tätigen Wissenschaftler*innen dar. Durch Personen, die sowohl in der Patientenversorgung als auch der Forschung tätig sind, kann der Transfer von Fragestellungen aus der Patientenversorgung in die Forschung und von Forschungsergebnissen in die Klinik besonders gut gelingen. Es gehört daher zur Leitungsverantwortung in diesen Bereichen, Ärzt*innen neben der klinischen Tätigkeit Zeit für wissenschaftliche Tätigkeiten einzuräumen. Um den erforderlichen Freiraum für die Forschung zu gewährleisten, wird empfohlen, die Möglichkeiten der etablierten (Advanced)-Clinician-Scientist-Programme(externer Link) zu nutzen.