Präambel – Lebenswissenschaften

Die Lebenswissenschaften umfassen ein sehr breites Wissenschaftsgebiet von der Untersuchung einzelner Moleküle oder zellulärer Strukturen bis hin zu den Wechselwirkungen zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt. Die Forschungsfragen befassen sich z. B. mit der Erklärung von Lebensvorgängen, dem Verständnis und der Therapie von Erkrankungen oder den Funktionen von Ökosystemen. Aufgrund der thematischen Breite ergeben sich umfangreiche Schnittstellen mit anderen Wissenschaftsgebieten und viele Fragestellungen können nur interdisziplinär und gemeinsam beantwortet werden.

Die wissenschaftliche Arbeit mit und an lebenden Organismen, insbesondere am Menschen, geht mit einer besonderen Verantwortung einher und spiegelt sich in zahlreichen ethischen und rechtlichen Aspekten wider, die die Forschungsarbeiten unmittelbar betreffen. Anschauliche Beispiele sind die Befassung mit sicherheitsrelevanter Forschung, die Voraussetzungen für tierexperimentelle Forschung, die Regelungen zur Nutzung genetischer Ressourcen im globalen Kontext oder die Anforderungen an die Durchführung klinischer Prüfungen. Die Verfügbarkeit neuer Methoden und Forschungsansätze wird zudem häufig von hohem öffentlichen Interesse, aber auch einem kritischen Diskurs über mögliche Risiken begleitet. Die Auseinandersetzung mit ethischen Aspekten sowie die Vermittlung von Forschung sind daher integrale Elemente der wissenschaftlichen Tätigkeit in den Lebenswissenschaften.

Im Mittelpunkt der Betrachtung lebenswissenschaftlicher Forschung steht die Untersuchung lebendiger Systeme, die sich durch Dynamik, Variabilität und Komplexität auszeichnen. Die Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen sicherzustellen, ist daher besonders herausfordernd und anspruchsvoll hinsichtlich Methodik, Design und Dokumentation. Mithilfe definierter Modellsysteme und deren Kombination können experimentelle Ansätze standardisiert und Ergebnisse miteinander verglichen sowie die Generalisierbarkeit der Erkenntnis geprüft werden. Gleichzeitig ist ein hoher Standardisierungsgrad dort limitierend, wo z. B. biologische Vielfalt, Plastizität oder genetische Variabilität im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Um Erkenntnisse in eine konkrete Anwendung, beispielsweise eine Therapie oder Empfehlung zur Landnutzung, zu überführen, müssen alle Befunde eindeutig validiert bzw. gezielt konfirmatorisch überprüft werden. In diesen Fällen ergeben sich besondere Anforderungen an die statistische Planung und an die Maßnahmen zur Minimierung unbewusster Verzerrung. Viele biologische Prozesse sind so komplex, dass Zusammenhänge nur dann verstanden werden können, wenn umfangreiche Datensätze zusammengeführt werden. Aus diesem Grund sind Verfügbarkeit von und Zugang zu qualitätsgesicherten Datensätzen und entsprechende Methoden zur Datenintegration von hoher Relevanz. Um die Nachvollziehbarkeit und Nachnutzbarkeit von Erkenntnissen zu ermöglichen, kommt entsprechenden Unterstützungs- und Servicestrukturen, wie Gerätezentren, Datenrepositorien, Repositorien für Quellcode, Biobanken oder Sammlungen in den Lebenswissenschaften, eine zunehmende Bedeutung zu.

Um den sich ständig wandelnden und komplexen Anforderungen qualitativ hochwertiger Forschung in den Lebenswissenschaften gerecht zu werden, ist es von zentraler Bedeutung, sich während der wissenschaftlichen Ausbildung, aber auch in allen anderen Karrierestufen mit Fragen der Qualitätssicherung auseinanderzusetzen. Eine Kultur, in der offen über Fehler oder Zweifel gesprochen werden kann, ist hierfür wesentlich. Hierzu beizutragen und sich diesen spezifischen Herausforderungen zu stellen, liegt in der besonderen Verantwortung der in den Lebenswissenschaften tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.


 

Zum Thema siehe auch

DFG – Dual Use(externer Link)

DFG – 3R-Prinzip – siehe u. a. Handreichung „Tierexperimentelle Forschung: Zwischen Tierschutz und wissenschaftlicher Qualität(externer Link)

DFG – CBD-Informationen(externer Link)