Autorschaft in den Lebenswissenschaften

Die Zuordnung und Herkunft veröffentlichter Beiträge oder Erkenntnisse muss durch die Angabe der beteiligten Personen eindeutig erkennbar sein. Dies gilt für Publikationen ebenso wie für Forschungsanträge.

Aufgrund der Vielfalt der Forschungsfragen und unterschiedlichen Komplexität und Interdisziplinarität der Forschungsansätze ist die Anzahl der beteiligten Autor*innen an einer Ergebnisveröffentlichung in den Lebenswissenschaften sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sollte sich der jeweilige Beitrag einer Person angemessen in der Autorenschaft widerspiegeln. Unter welchen Umständen eine Autorschaft gerechtfertigt ist, lässt sich aufgrund der Vielfalt an Forschungsthemen und den im ständigen Wandel befindlichen Forschungsprozessen nur in Abgrenzung grob beschreiben. Bei der Beschaffung und/oder Bereitstellung von Daten, Software, Materialien oder Modellorganismen ist zu differenzieren, inwieweit hierzu bereits Veröffentlichungen vorliegen. Bei bereits veröffentlichten Beiträgen rechtfertigt dies in der Regel keine Autorschaft, sondern ist durch entsprechende Danksagungen oder durch Zitation in den Referenzen festzuhalten. Auch die reine Finanzierung von Forschung ist kein hinreichender Beitrag, der sich in Autorschaft widerspiegelt. Eine Bereitstellung eines Arbeitsumfelds oder des Zugangs zu erforderlichen Infrastrukturen allein bedingt ebenfalls in der Regel keine Autorschaft.

Häufig wird den Erst- und Letztautor*innen eine herausgehobene Rolle zugesprochen. Üblicherweise hat die an erster Stelle stehende Person die hauptsächliche Projektdurchführung und die Abfassung der Publikation zu verantworten, während die an letzter Stelle genannte Person für die übergeordnete wissenschaftliche Hypothese und Projektleitung steht. Dabei kann es mehrere Personen geben, die als Erst- und Letztautor*in fungieren. Eine oder mehrere dieser Personen übernehmen zusätzlich die Funktion der*des korrespondierenden Autor*in. Es empfiehlt sich, über die vorgesehene Autorenreihung rechtzeitig vor der Veröffentlichung Einigung zu erzielen und mit allen Beteiligten offen und transparent zu kommunizieren. Mentoren übernehmen hierbei eine wichtige Rolle und gestalten die Karriere von Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen so, dass die wissenschaftliche Eigenständigkeit bei der Veröffentlichung ersichtlich wird. Sie tragen Verantwortung dafür, dass die Position von Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen bei Autorschaften besonders geschützt wird. Die Mentorschaft allein, rechtfertigt keine Mitautorschaft.

Bei Veröffentlichungen mit sehr vielen Autoren handelt es sich häufig um komplexe, übergeordnete und interdisziplinäre Forschungsfragen, in denen sehr viele Forschungsergebnisse zusammengeführt und aufbereitet werden. In diesen Fällen ist es besonders wichtig, die individuellen Beiträge im Zusammenhang mit der Publikation sichtbar zu machen und die Gesamtverantwortung für die Qualität und Validität der Ergebnisse in geeigneter Weise sicherzustellen. Es wird zudem empfohlen, die Rollen frühzeitig zu klären. Sogenannte Ehrenautorschaften, die sich in den Lebenswissenschaften durch umfangreiche Forschungskonsortien und vielfältige Forschungskooperationen ergeben könnten, sind nicht akzeptabel.