Nachweis eigener Vorarbeiten („Selbstplagiat“ bzw. „Textrecycling“)

Nach Leitlinie 13(interner Link) sollen Wissenschaftler*innen eigene und fremde Vorarbeiten vollständig und korrekt nachweisen. Außerdem fordert Leitlinie 1(interner Link) strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die eigenen und die Beiträge Dritter.

Werden fremde oder zumindest auch-fremde Vorarbeiten ohne hinreichende Kenntlichmachung übernommen, wird die Leserschaft über die tatsächliche Urheberschaft der geistigen Inhalte getäuscht. Um die Funktionsfähigkeit des wissenschaftlichen Diskurses zu gewährleisten, besteht ein schutzwürdiges Interesse der Leserschaft dahingehend, dass die aus dem Text als Autor*in erkennbare Person dessen Inhalte auch tatsächlich abgefasst hat. Abweichungen hiervon können wissenschaftliches Fehlverhalten darstellen und werden regelmäßig z. B. als Plagiate sanktioniert. 

Nach Leitlinie 13(interner Link) widerspricht es darüber hinaus der guten wissenschaftlichen Praxis, (rein) eigene Vorarbeiten ohne vollständigen und korrekten Nachweis wiederzuverwerten. Diese nicht hinreichend gekennzeichnete Wiederverwertung wird als „Selbstplagiat“ oder auch als „Textrecycling“ beschrieben.

Der Begriff „Selbstplagiat“ verweist auf einen relevanten Aspekt der guten wissenschaftlichen Praxis (gwP). Dem Plagiat und dem „Selbstplagiat“ ist gemein, dass sie das „Woher“, also den Ursprung oder die Quelle beispielsweise eines Textes oder Textausschnitts nicht in gebotener Weise offenlegen. Der Unterschied besteht hinsichtlich dessen, worüber getäuscht wird: beim „Selbstplagiat“ hinsichtlich der Neuheit (bzw. Einzigartigkeit) des Publizierten, bei typischen Plagiatsfällen hinsichtlich des Urhebers der betreffenden Leistung. Die Wiederverwertung eigener Texte kann z. B. einen unredlichen Aufbauschungsversuch der eigenen Publikationsliste darstellen oder den falschen Anschein von Originalität erwecken. Mögliche Folgen sind u. a., dass sich einzelne Wissenschaftler*innen unlautere Konkurrenzvorteile im Wettbewerb mit anderen Personen verschaffen und die Forschungsliteratur in für den wissenschaftlichen Diskurs hinderlicher Weise aufgebläht wird. Bei der Wiederverwertung der eigenen Texte müssen Wissenschaftler*innen unter Achtung der disziplinspezifischen Vorgaben auf frühere Veröffentlichungen betreffender Texte hinweisen.


 

Zum Thema siehe auch

Hagenström, Felix (2022): »Plagiate«, in: Wissenschaftliche Fairness. Wissenschaft zwischen Integrität und Fehlverhalten, Bielefeld: transcript, S. 83–138(externer Link)

Hall, Susanne/Moskovitz, Cary/Pemberton, Michael (2021): Text Recycling. TRRP Best Practices for Researchers.(externer Link)

Moskovitz, Cary (2019): »Text Recycling in Scientific Writing«, in: Science and Engineering Ethics 25, S. 813–851.

Moskovitz, Cary — (2021): »Standardizing terminology for text recycling in research writing«, in: Learned Publishing 34, S. 1–9.

Zhang, Yuehong H. (2016): Against Plagiarism. A Guide for Editors and Authors (= Springer eBook Collection Literature, Cultural and Media Studies), Cham: Springer International Publishing


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