„Dual use“-Problematik in der Mathematik

Grundlagenforschung sowohl in der theoretischen als auch in der angewandten Mathematik hat in vielen Fällen das Potenzial, ebenfalls für sicherheitsrelevante Forschung bedeutsam zu sein (evtl. auch erst zu einem späteren Zeitpunkt). So wie ein Messer als Werkzeug zum Schneiden stets auch als Waffe verwendet werden kann, lassen sich z. B. mathematische Verfahren, die im Bereich der Kontrolltheorie erforscht werden, häufig sowohl für friedliche als auch militärische Zwecke einsetzen. Ähnliches gilt etwa auch im Bereich der Zahlentheorie mit Blick auf deren Anwendungen im Gebiet der Kryptografie und Codierungstheorie. Diese Tatsache kann jedoch nicht dazu führen, mathematische Grundlagenforschung grundsätzlich zu unterbinden.

Aspekte und Fragen hinsichtlich sicherheitsrelevanter Forschung sollten den geltenden Regeln und Gesetzen folgend beim Vorliegen von Indizien für eine mögliche konkrete Anwendbarkeit der mathematischen Forschung in sicherheitsrelevanten Bereichen adressiert werden. Indizien können dabei z. B. der von den Forscher*innen anvisierte Anwendungsbereich selbst aber auch deren eigener bisheriger Forschungshintergrund oder auch derjenige von Kooperationspartnern sein. Im Falle kooperativer Projekte sollte zudem berücksichtigt und hinterfragt werden, ob die beteiligten Institutionen oder deren Träger bzw. Förderer die Verwertung von Forschungsergebnissen in sicherheitsrelevanten Kontexten anstreben oder sogar voraussetzen.


Schlagworte