„Equitable Research Partnerships“: Faire und gleichberechtigte Forschungspartnerschaften in der internationalen Kooperation

In Leitlinie 9(interner Link) werden Faktoren benannt, die im Rahmen des Forschungsdesigns die Gültigkeit und Zuverlässigkeit der Forschung unterstützen und damit die wissenschaftliche Qualität der Ergebnisse steigern können. Die genannten Faktoren sind dabei nicht abschließend. Sie variieren zudem je nach thematischer Ausrichtung und Komplexität der zu bearbeitenden Forschungsfragen sowie dem Forschungskontext und den jeweiligen Rahmenbedingungen. In Verbindung mit Leitlinie 8(interner Link) ist es darüber hinaus erforderlich, gerade bei internationalen wissenschaftlichen Kooperationen die Rollen der beteiligten Personen klar zu definieren.

Wissenschaftlicher Austausch ist ein wichtiger Motor für wegweisende, innovative Forschung und kann  wesentlich zur Stärkung der Wissenschaft beitragen. Dies gilt insbesondere für internationale wissenschaftliche Kooperationen, die Chancen bieten, sich über Grenzen hinweg über unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen auszutauschen. Grundlage für einen zielführenden Dialog ist eine faire, vorurteilsfreie und gleichberechtigte Zusammenarbeit. Forschungskooperationen zwischen Ländern mit unterschiedlichen strukturellen Ausgangslagen können besondere Herausforderungen für einen erfolgreichen Austausch mit sich bringen. In der Zusammenarbeit sind die unterschiedlichen Ausstattungen und Ausgestaltungen der jeweiligen Wissenschaftssysteme zu berücksichtigen.

Die Partner*innen vor Ort sollten in die Erhebung, Verarbeitung und Veröffentlichung von Daten einbezogen werden und sie sollten auch über das Projektende hinaus Zugang zu den Forschungsergebnissen haben. Um bei der Erhebung und Verarbeitung von Forschungsdaten eine faire und gleichberechtigte Partnerschaft zu gewährleisten, wurden in den letzten Jahren einige Kodizes und Selbstverpflichtungen entwickelt. Beispiele sind die FAIR-Grundsätze (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) (Wilkinson et al., 2016) der Open-Data-Bewegung oder auch die sogenannten CARE-Prinzipien (Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility, Ethics) (Carroll et al., 2020) für indigene Data Governance. Beide Sammlungen von Grundsätzen und Empfehlungen ergänzen sich gegenseitig. Erstere betonen die Rahmenbedingungen für eine verstärkte gemeinsame Nutzung der Daten durch alle an der Forschung beteiligten Akteur*innen, während letztere das Ziel verfolgen, Innovation, Selbstbestimmung und Datensouveränität zu stärken.

Auch der Global Code of Conduct(externer Link) macht zudem entlang der vier Säulen „Fairness, Respect, Care, Honesty“ auf wichtige Grundlagen internationaler Forschungskooperation aufmerksam. In ähnlicher Weise enthalten das Cape Town Statement(externer Link) sowie die von ESSENCE und UKCDR entwickelten Grundsätze Empfehlungen, wie wissenschaftliche Integrität und „Equitable Research Partnerships(externer Link) durch Fairness und Gleichberechtigung gesichert werden können. Dazu gehören offene Kommunikation und gemeinsame Reflexion über bestehende Asymmetrien, faire Praktiken von der Planung bis zur Durchführung von Forschungsprojekten (Zeitplan, Budget(vergabe), Leitung, Output, Impact etc.), gegenseitiger Respekt, gemeinsame Verantwortung sowie die Wertschätzung und Berücksichtigung unterschiedlicher Quellen von Wissen und Erfahrungen mit dem Ziel, qualitativ hochwertige Forschung zu gewährleisten. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die anschließende, zielgruppenorientierte Kommunikation der Ergebnisse in den jeweiligen Communities.


 

Literaturnachweis

Carroll, S, et al. (2020). The CARE Principles for Indigenous Data Governance. Data Science Journal, 19: XX, pp. 1–12

Wilkinson, M., Dumontier, M., Aalbersberg, I. et al. (2016). The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. Sci Data 3, 160018


 

Zum Thema siehe auch

DFG: Vermeidung von Bias in wissenschaftlichen Urteilsbildungsprozessen(externer Link)

Science Europe Statement (2023). High Level Workshop on the European Research Area(externer Link)

Positionspapier „Gleichberechtigte Wissenschaftskooperationen weltweit“ der Unesco-Kommission vom 19.08.2024(externer Link)