Vermeidung von Machtmissbrauch
Machtmissbrauch in der Wissenschaft ist nicht alltäglich, jedoch kommt er auch hier vor. Machtmissbrauch in der Wissenschaft hat vielfältige Erscheinungs- und Wirkungsebenen. Die Vermeidung von Möglichkeitsräumen und Gelegenheitsstrukturen für Machtmissbrauch, Abhängigkeitsverhältnisse und (Betreuungs-)Konflikte ist daher ein zentraler Bestandteil guter wissenschaftlicher Arbeit. Erforderlich für die Vermeidung sind eine Sensibilisierung aller Ebenen der „Belegschaft“ einer wissenschaftlichen Einrichtung – ggf. auf Basis eines Verhaltenskodex – sowie organisatorische Maßnahmen auf institutioneller Ebene. Zu letzteren zählen z. B. die Einrichtung von unabhängigen, vertraulichen Beratungs- und zuständigen Verfolgungsstellen, eine Mehrfachbetreuung von Promovierenden (Promotionskomitees) und schriftliche Betreuungsvereinbarungen.
Die strukturelle und persönliche Abhängigkeit gerade von Wissenschaftler*innen früher Karrierestufen ergibt sich vielfach aus prekären Arbeitsverhältnissen (der Vielzahl von befristet Beschäftigten im Wissenschaftsbetrieb). Ihnen gegenüber steht die zumeist auf Lebenszeit verbeamtete Professorenschaft. Probate Mittel in diesem Zusammenhang können u. a. die Etablierung einer transparenten Feedback-Kultur sowie eine professionelle Vorbereitung auf Führungsaufgaben in der Wissenschaft und fortlaufende Schulungen sein (u. a. zu unconscious biases).