Aspekt der zunehmenden Selbstständigkeit in frühen wissenschaftlichen Karrierephasen

Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen werden durch zunehmende Selbstständigkeit in die Lage versetzt, ihre Karriere selbstverantwortlich zu gestalten. Zentral ist hierbei die der Karrierestufe angemessene Balance zwischen Unterstützung und Eigenverantwortung. Promovierende und Postdocs sowie Leiter*innen von Nachwuchsgruppen genießen einen Status, der ihrer Rolle und ihren Aufgaben entspricht, und haben adäquate Mitwirkungsrechte.

Zur Selbstständigkeit gehört und Selbstständigkeit fördert, dass Promovierende und Postdocs

  • an Tagungen teilnehmen.
  • sukzessive mehr Freiräume erhalten, um sich auszuprobieren und zu entwickeln.
  • offen über die Rahmenbedingungen informiert werden, z. B. darüber, wie und aus welchen Quellen ihre Stellen finanziert werden, welche Kooperationsverträge bestehen, wie die partizipativen Hochschulstrukturen funktionieren usw. Dieses Wissen hilft ihnen, sich zurechtzufinden, Zusammenhänge zu verstehen und sich z. B. in der akademischen Selbstverwaltung zu engagieren.
  • im Rahmen von Projekten Verantwortung übernehmen und in das Management eingebunden werden.
  • in Gremien mitwirken. Dies ist sowohl eine wichtige Erfahrung als auch eine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Um sie vor einer zu hohen Gremienbelastung zu schützen, sollten sie eine sinnvolle Auswahl treffen, in welchen sie sich engagieren.

Selbstständigkeit ist auch eine Herausforderung; Fehler und Scheitern gehören dazu und müssen erlaubt sein.

Hilfreich ist das Einwerben eigener Mittel. Das reicht von „Mini-Budgets“, die am Institut ausgelobt werden, bis zu eigenen Forschungsprojekten von Förderorganisationen. Eigene Mittel ziehen – je nach Fach – zusätzliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten nach sich, z. B. wenn man Personalverantwortung übernimmt, Tierversuche durchführen möchte usw. Hier benötigen die noch weniger erfahrenen Forschenden Unterstützung (seitens der Institutsleitung, der Verwaltung), insbesondere bei befristeten Stellen, damit sie ihre Forschung planmäßig fortsetzen können.

Die Leiter*innen von Nachwuchsgruppen sind mit den Junior- oder Qualifizierungsprofessor*innen vergleichbar; sie haben in kompetitiven Verfahren Fördermittel für ein Forschungsprojekt eingeworben, das sie mit ihrer eigenen Arbeitsgruppe umsetzen und sich dadurch zugleich auf eine Leitungsfunktion in der Wissenschaft vorbereiten. Wünschenswert ist es daher, dass sie einen den Junior- oder Qualifizierungsprofessor*innen vergleichbaren Status erhalten.

Nachwuchsgruppenleiter*innen können eigenständig arbeiten und ihr Personal anleiten. Dazu gehört auch das Recht, Promovierende zur Promotion zu führen.


 

Zum Thema siehe auch

DFG – Prinzipien wirksamer Karriereunterstützung in der Wissenschaft(externer Link)